Bobowa - große Geschichte einer kleinen Stadt

Klöppelrolle mit aufgesetztem Muster, Fadenblöcken und angefangener Spitze.
Bobowa, eine Kleinstadt, die für polnische Spitzenkunst berühmt ist, ein malerischer Ort mit einem mittelalterlichen Stadtgrundriss, die für seine reiche Folklore und das einzigartige Kunsthandwerk bekannt ist. Sie gilt als die Hauptstadt der polnischen Klöppelspitze, in der Frauen seit Generationen die Kunst der Herstellung einzigartiger Muster weitergeben. Eine Stadt, in der die Geschichte der christlichen und der jüdischen Bevölkerung zusammengeflochten war. Was können Sie heute in Bobowa sehen?

Mittelalterliches Stadtbild

Wussten Sie, dass die ersten Erwähnungen von Bobowa auf das 14. Jahrhundert zurückgehen? Seit 1339 gehörte der Ort Bobowa den Rittern aus dem mächtigen Geschlecht Gryfit, der aus Małopolska stammte. Im Laufe der Jahre ging die Stadt in die Hände anderer Adelsfamilien über, vor dem Zweiten Weltkrieg verlor sie ihre Stadtrechte und erlangte diese erst 2009 wieder. Der mittelalterliche Grundriss des Marktplatzes und der Verlauf der Straßen sind jedoch bis heute gut erhalten geblieben. Auf dem viereckigen Marktplatz befindet sich eine Kapelle mit der Figur des hl. Florian, die aus der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert stammt, sowie ein Brunnen mit einer Statue der Spitzenklöpplerin von Bobowa.

Route der Jüdischen Kultur

Bobowa ist auch eine Stadt, in der die Geschichte der christlichen und der jüdischen Kultur miteinander verwoben ist. Die Juden ließen sich in Bobowa 1732 nieder, auf Initiative von Michał Jaworowski, dessen Ziel es war, die Handelstätigkeit in der Stadt wiederherzustellen. Die Juden waren Eigentümer der meisten Geschäfte und einiger Handwerksbetriebe. So entstand im 18. Jahrhundert in Bobowa eine jüdische Gemeinde und eine Synagoge wurde erbaut. Die Stadt wurde zu einem der größten Zentren des Chassidismus auf den polnischen Gebieten. Zum Grab des Zaddik Salomon ben Natan Halberstam aus Bobowa, der große Autorität genoss, pilgern noch heute Juden aus aller Welt. Heute kann man Bobowa auf der Route der Jüdischen Kultur erkunden. Im Inneren der Synagoge kann man vor allem die am besten in Małopolska erhaltene Einfassung des Aron ha-kodesh, d. h. des Schranks für die Thorarollen aus dem 18. Jahrhundert sehen. Die von Weinranken umrankten Stucksäulen sind mit Malereien mit Pflanzen- und Tiermotiven, u.a. Greifen, die symbolisch die Tafeln des Dekalogs bewachen, bedeckt. Die Synagoge ist heute noch ein lebendiger Ort des Gebets. Sie beherbergt auch ein Museum mit Judaica und eine Klöppelwerkstatt. Der zweite Ort, der mit der jüdischen Kultur in Verbindung steht, ist das Haus von Markus Jakub Landau. Das Haus beherbergt wertvolle jüdische Erinnerungsstücke, Alltagsgegenstände, Notizbücher, Dokumente und Tintenfässer. In den Innenräumen spürt man die einzigartige Atmosphäre, die dem Besucher die Geschichte der Juden von Bobowa - der Bewohner der Stadt und ihres Schicksals - näherbringt. Bei schönem Wetter lohnt sich auch ein Besuch des jüdischen Friedhofs mit rund 200 erhaltenen Matzewot und dem berühmten Ohel (ein Grabmal mit Tür und Fenstern), das zu Ehren von Zaddik Shlomo Halberstam, dem Enkel eines der berühmtesten chassidischen Zaddikkim, errichtet wurde.

Klöppelspitze aus Bobowa

Vor allem aber ist Bobowa berühmt für seine Spitzenmanufaktur in der handgefertigte, polnische Leinenspitzen entstehen. Die Bobowa-Spitze (Bobowa-Spitze - ein schönes Beispiel der Folklore von Małopolska, Beschreibung) unterscheidet sich von anderen Spitzenarten durch die traditionelle Art des Knüpfens von Leinenfäden, die auf mit Spulen versehene Holzblöcke aufgewickelt und umgedreht werden. Die einzelnen Fäden werden nacheinander an Nadeln gehakt, die in ein Kissen gesteckt werden, auf dem das Muster aufgelegt ist. Die Fäden werden in unterschiedlicher Dichte verflochten, je nach dem vorliegenden Muster und der Art der Spitze. Klöppelspitzen aus Bobowa zeichnen sich außerdem durch eine außergewöhnliche Feinheit und Musterung, sowie eine äußerst präzise Webart aus. Frauen klöppeln in Bobowa seit jeher Spitzen. Den Quellenüberlieferungen zufolge reicht die Geschichte der Spitzenherstellung in Bobowa bis ins 16. Jahrhundert zurück. Zur Verbreitung der Spitzenkunst in Polen trug Königin Bona bei, die selbst Spitzen nähte und die Kunst des Klöppelns aus Italien mitbrachte.

Ausstellung zur Klöppelspitzenkunst

Um die Geheimnisse der einzigartigen Bobowa-Spitze kennenzulernen, lohnt sich ein Blick in die Ausstellung im Saal des Zentrums für Kultur und Förderung der Gemeinde Bobowa, die die Geschichte und einen Überblick über die Klöppelkunst präsentiert. In der Galerie der Klöppelspitze werden die ältesten Muster und Ausführungen der Bobowa-Spitze ausgestellt, darunter auch zeitgenössische Beispiele des Spitzenhandwerks und Souvenirs von Ausstellungen im Ausland. Interessanterweise gibt es heute nur noch 17 Orte in Europa, an denen Klöppelspitzen hergestellt werden, einer davon ist Bobowa, die Perle des Landkreises Gorlice. Es lohnt sich also, hierherzukommen und das reiche kulturelle Erbe der Region kennenzulernen.

Das Schloss und andere Attraktionen

In Bobowa gibt es außerdem ein kleines Schloss, das im 17. Jahrhundert erbaut wurde. Interessanterweise gehörte das Gebäude ab 1887 der Familie Długoszowski, aus der auch der Adjutant von Marschall Piłsudski – Bolesław Wieniawa-Długoszowski stammte, der in Bobowa aufwuchs. Von den sakralen Bauwerken ist die Allerheiligenkirche sehenswert, die ihren gotischen Charakter bis heute bewahrt hat. Mit dem Gebäude ist eine interessante Geschichte verbunden, denn ab 1529 war die Kirche eine Stiftskirche, die in den Jahren 1561-1593 in ein lutherisches Gebetshaus umgewandelt wurde. In ihrem Inneren befindet sich ein sehr kostbares Gemälde von Jacek Malczewski, das die Kreuzigung darstellt, während in der Barockkapelle ein Gemälde von Feliks Hanasz aus dem Jahr 1851 zu sehen ist. Das zweite interessante Gebäude ist die Sophienkirche, die auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert wird. Das aus Bruchstein errichtete Gotteshaus ist ein hervorragendes Beispiel für die gotische Sakralarchitektur. Das Gebäude wird von einem kleinen Glockenturm und einem gotischen Stufenportal an der Westseite geschmückt; das Dach der Kirche ist mit Holzschindeln eingedeckt.

 

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